DAS DRAMA VON ZHENDING AM 9. OKTOBER 1937

Der Chinesisch-Japanische Krieg.

Am 8. Januar 1937 schreibt der Bischof an seine Familie: „Wie immer wird irgendwo schon in China gekämpft, aber das Land ist so groß … hier ist alles ruhig, während einige Hunderte Kilometer weiter nach Norden und dito nach Südwesten die Soldaten, Räuber, Kommunisten usw. wieder tüchtig drauflos schießen. Inzwischen verrichten wir unsere Missionsarbeit, als ob China ganz in Frieden lebte.

Ob wir nach und nach auch Untertanen von Japan werden sollen, weiß ich nicht; mit Politik befassen wir uns nicht: der Herrgott sorgt für uns und also haben wir nichts zu fürchten. … Hauptsache ist: wir sind bereit, wenn Gott uns ruft.“

Im Juni 1937 geht er zum goldenen Priesterjubiläum seines Vetters Mgr. Geurts. nach Yungping. „Wir haben dort einige Tage ein echtes holländisches Familienfest gefeiert. Kaum einige Tage zuhause musste ich für eine Bischofssammlung nach Beijing. Montags am 5. Juli reiste er von hier ab und dachte am 8. Juli wieder zuhause

Foto: Mgr. Frans Schraven
und sein Vetter Mgr. Frans Geurts
in Yungpingfu 1937 um das
goldene Priesterjubiläum zu feiern.

zu sein, aber es wurde der Dienstag, der 13. Juli. Der Zug fuhr den 8. Juli nicht mehr; Da war ein Kampf zwischen den japanischen und chinesischen Soldaten ausgebrochen. Wir hofften, dass dieser Kampf bald beigelegt würde. Am Montag, dem 12. Juli war er noch nicht beendet. Wir haben dann für den Dienstag ein Auto gemietet, das uns 20 km außerhalb Beijings brachte. Darauf fuhren wir mit chinesischen Karren nach Südosten, auch gut 20 km. Wir waren danach an einem Bahnhof südlich von Beijing, wo wir endlich mit dem Zug fahren konnten und kamen um 23.00 Uhr nach Hause. Ob jener Kampf, über den ich hier oben sprach auch ein wirklicher Krieg werden wird, muss die Zukunft uns lehren; in unserer Gegend ist vorläufig alles ruhig.” (Brief 27 Juli 1937)

Die Ruhe ist leider Schein: am 23. Juli wird Beijing von den Japanern eingenommen und ist der Krieg eine Tatsache. Die Japaner haben sich der Mandschurei schon in den vergangenen Jahren bemächtigt. Am 2. Januar 1933 greifen sie Shanhaiguan innerhalb des Vikariats von Mgr. Geurts an, und nach und nach werden sie auch Herr und Meister über das ganze Vikariat von Mgr.Geurts. Sie benehmen sich gegenüber der Mission und Sendung freundlich. Die Missionare fühlen sich sicher und nicht mehr von den Banditen oder „den Roten“, die überall durchdrängen, bedroht.

Am 31. August werden sieben europäische Brüder Maristen und ihr Rektor Pierre Willems *Meyel † 1947 China) in Heishanhu, 20 km nordwestlich von Beijng, von Räubern oder flüchtenden Soldaten festgenommen. Ein Lösegeld wird gefordert. Alle acht weigern sich auch nur etwas zu tun, um irgendwo Geld herauszulocken. Nach 18 Tagen wird der Priester freigelassen, die Brüder werden Ende Oktober freigelassen. Dieser Vorfall hat in den nachkommenden Wochen allen, die voller Spannung die Ereignisse in Zhending verfolgen, Hoffnung gegeben.

In jener Zeit rücken die Japaner entlang der Eisenbahn nach Süden vor. Am 4. September schreibt der Bischof über den Kriegszustand, den anhaltenden Regen, der die Ernte misslingen lässt und „dass wir alle Schwierigkeiten dem Herrgott anvertrauen müssen. Wir arme Leute sind zu nichts imstande, wenn der Liebe Herrgott uns nicht hilft. Und wenn wir wollen, dass Er uns hilft, müssen wir Ihn in einem niedrigen und fortdauernden Gebet um Hilfe bitten. So sei es!“

Und am 17. September: „Die Kommunikation mit Beijing und Tianjin ist abgerissen, aber die Post kommt noch an; wie, weiß ich nicht. Wohl mit großer Verzögerung. Shijiazhuang, ein Knotenpunkt von Eisenbahnen, gut zwanzig Kilometer südlich von Zhending, ist schwer bombardiert worden. Zhending selbst ist vom militärischen Blickpunkt aus nicht wichtig. Überall sind Schützengräben angelegt worden, aber die Kämpfe finden bis jetzt 150 km nördlicher statt. Das Gott uns schützt, vor allem gegen die Soldaten, die die Flucht ergreifen, denn die haben die Gewohnheit, alles zu plündern. Die Ernte erschien gut zu sein, aber in der letzter Zeit hat es viel geregnet und durch all diese Schützengräben sind die Verwüstungen noch größer. Es sind hier in China immer die armen Bauern, die es bezahlen müssen“.

In Zhending finden die jährlichen Exerzitien vom 19. bis zum 27. September statt. Aus dem ganzen Vikariat sind 60 Priester anwesend. Wenn die Exerzitien vorüber sind, gehen die meisten Priester zu ihren Missionsstationen zurück. In Zhending bleiben 40 chinesische und europäische Priester zurück.

Die Trappisten von Baifang müssen von ihrem Abt nach Zhending. Der Bischof lässt sie hören, dass sie willkommen sind, aber dass die Gefahr in der Stadt ebenso groß als eine im Kloster sein wird. Am 29. September kommen der alte Pater Albéric Maupeu mit Pater Emmanuel Robial und einem chinesischen Bruder; die zwei Letzten bereiten das Kommen der ganzen Klosterbevölkerung vor. Am 7. Oktober kommt der Bote des Klosters, um dem Prior zu berichten, dass die Stadttore blockiert worden sind. So müssen die anderen Mönche, unter denen noch drei Europäer, im Priorat abwarten, was geschehen wird.

Am selben Tag stehen japanische Truppen vor Zhending, das wohl mit zehn Meter hohen Mauern umgeben ist. Beschießungen folgen. Auf dem Gelände der katholischen Mission gibt es außer den 1000 festen Bewohnern noch circa 2000 Flüchtlinge, besonders Frauen und Kinder. So auch auf dem Gelände des Buddhatempels und der schwedischen protestantischen Mission. In der katholischen Mission fallen drei Tote. Die Gebäude erleiden durch
Granateinschläge Schaden. Am Morgen des 9. Oktober haben die Japaner die Stadt schon in Händen und ziehen die Stoßtruppen schon weiter.
Am 10. Oktober wird das Trappistenkloster besetzt. Im Kloster geschieht nichts Besonderes;

Die zehn Meter hohe Stadtmauer von
Chengtingfu wie diese im Jahre 2009
da noch steht.

Die japanischen Truppen sind sehr höflich und bezahlen für dasjenige, was sie gebrauchen.
Am Mittwoch, dem 13. Oktober, geht der Bote des Klosters nach Zhending und kommt abends spät mit abscheulichen Nachrichten zurück: Monseigneur Schraven und acht andere Ausländer sind mitgenommen worden. Keiner weiß wohin.

Was geschieht in „der Kathedrale“ an jenem Samstag, dem 9. Oktober?

Am frühen Morgen kommen japanische Offiziere und begrüßen den Bischof sehr höflich.
Bald darauf kommen über die Mauern, sogar durch ein aufgebrochenes Tor, Einzelne oder Gruppen von Soldaten, um zu stehlen. Ein japanischer Offizier lässt dieses Tor wieder zumauern und hängt in japanischer Sprache eine Warnung dabei. Sie dringen in die Zimmer der Priester ein und stehlen alles was kostbar erscheint.

Am Nachmittag kommen zehn Soldaten und sie untersuchen alle Gebäude der Sankt Joseph Schwestern und nehmen den Missionsoberer Lucien Charny (*1882) und Wirtschaftler Eugène Bertrand (*1905) gefangen. Zwischen 17.00 und 18.00 Uhr gehen zwei von ihnen zu den Geschäftsstellen des Bischofs und fordern Geld. Wenn Monseigneur antwortet, dass es kein Geld gebe, öffnen sie Schubläden, nehmen etwas mit und gehen weg. Um 19.00 Uhr kommen Monseigneur und alle Priester im Speisesaal zusammen. Plötzlich stürmt jemand

Eugène Bertrand aus Frankreich

hinein, der dem Bischof sagt, dass die Priester Charny und Bertrand beim Haus der Schwestern Josefinen gefangengenommen seien, weil sie sie gegen die Gewalttätigkeiten der japanischen Soldaten schützen wollen. Er drängt auf flüchten. Der Bischof antwortet, dass beide schon bald frei kommen werden und dass die Japaner Freunde von den Europäern seien. Es gibt weiter keinen Grund für Angst.

An jenem Abend sitzen circa vierzig Priester im Speisesaal. Plötzlich kommen Soldaten in den Speisesaal hinein. Einer von ihnen spricht Chinesisch mit dem Akzent von Jehol, einer Gegend im Norden von Beijing. Alle müssen sich stellen. Sie werden unter Schuss gehalten.

Monseigneur fragt, was sie wollen, aber ohne zu antworten werden die Augen verbunden und die Hände gebunden. Der Herr Biscopitch, ein Tschechoslowake, der für die Reparatur der Orgel nach Zhending gekommen ist und durch die Feindlichkeiten nicht davon hat kommen können, will als ehemaliger Marineoffizier dem Bischof zur Hilfe kommen. Er wird sofort ergriffen und festgebunden. Danach folgen die Priester Thomas Ceska, (*1872 in Kroatien) Pfarrer im Dorf neben dem Priorat; Emmanuel Robial, Trappist (*1877 in Frankreich); Gerrit Wouters (1909 in Breda), Lehrer in einem Priesterseminar  und Organist in der Kathedrale; und die Brüder Antoon Geerts (*1875 in Oudenbosch) und Bruder Vadislas Prinz (1909 in Polen).
Inmitten der chinesischen Priester steht Jozef Chow Chih-yi. Er hat sich schon vierzehn Tage nicht rasiert und wird im Dämmerlicht des Speisesaals von den Soldaten für einen Europäer gehalten. Glücklicherweise für ihn machen die anderen chinesischen Priester deutlich, dass er ein echter Chinese ist.

Ein chinesischer Priester folgt dem Zug und wird von den Soldaten bedroht. Er geht zum Schlafsaal der Seminaristen und erzählt ihnen was geschieht.

Einige Soldaten fragen nach „den Frauen der europäischen Missionare“. Sie werden zum Haus der Vinzentinerinnen gebracht, wo zwölf europäische Schwestern wohnen. Das Klostertor ist schon geschlossen. Sie rufen: „Mache das Tor auf, sonst schießen wir“. Wenn nichts geschieht, gehen sie ohne weiteres weg, weil man dachte, dass sie schon schlafen. Die Schwestern haben jedoch den Lärm gehört und sind alle in die Kapelle gegangen, in der sie in großer Angst bis 23.00 Uhr bleiben und beten, denn sie haben gehört, dass einige Priester von bewaffneten Soldaten weggeführt worden sind.

Der kranke Pater Albéric (1865) entkam diesem allen, weil er in seinem Zimmer geblieben ist. Nachts kommen einige Soldaten zurück, um das Zimmer des Wirtschaftlers ganz leer zu plündern.

Am jenen Abend sehen die Pfarrer Hill und Spira von der protestantischen Mission aus ein außergewöhnlich großes Feuer bei der Pagode.

Die ersten Nachrichten, welche die Außenwelt erreichen.

Die Pagode von Chengtingfu. Am Fuß
dieser Pagode wurden sie ermordet.

Am Sonntag, dem 17. Oktober erhält Pater Chanet in Dingzhou die Nachricht, dass Bischof Schraven und acht andere gefangen genommen und abgeführt worden sind. Er schickt sofort einen Eilboten zu Mgr. Montaigne und zu der Französischen Botschaft in Beijing, der erst 6 Tage später ankommt und die Nachricht übermittelt. Auch der niederländische Botschafter Baron G.W. de Vos van Steenwijk wird informiert. Am 24. Oktober geht eine Reuter- Nachricht über die ganze Welt; die Namen der neun Personen werden dem Generaloberer in Paris gemeldet.

Wenn Pater Chanet am 22. Oktober in Zhending ankommt, trifft er dort alle in großer Bestürzung an. Die widersprüchlichsten Erklärungen werden abgelegt. Nach und nach wird ihm deutlich, was am neunten Oktober geschehen ist und dass die zehn Männer mit japanischen Uniformen gewiss der japanischen Armee angehören. Er schickt am 25. Oktober einen Bericht seiner Befunde nach Peking.

Am 2. November findet eine Untersuchung durch die japanische Armee statt. Deren Schlussfolgerung lautet, dass angenommen werden muss, dass flüchtende chinesische Soldaten das Verbrechen auf dem Gewissen haben. Dies wird vom japanischen Botschafter am 27. November an den niederländischen Botschafter weitergeleitet und am 30. November in der „Peking Chronicle“ veröffentlicht.

Endlich Sicherheit.

Am 12. November werden bei der Pagode dreihundert Meter von der Mission entfernt Reste gefunden, die ohne irgendwelchen Zweifel den neun Entführten zugehören. All diese Überreste vom Pater Chanet und von anderen werden gesammelt und zur Mission gebracht. Der japanische Standortkommandant wird von diesen Tatsachen benachrichtigt.

Dritter von rechts Jan Ramakers aus Echt,
Oberer des Priesterseminars und zweiter von rechts
der Franzose Louis Chanet, der nach dem Mord
eine wichtige Rolle spielte.
Rechts Leo Hoefnagels aus Asten, der dem
Frans Schraven die Praxis des Missionarslebens beibrachte.

Am 13. November werden die Trappisten benachrichtigt. Zwei Tage später erhält man in Beijing die Nachricht: „Sehr wahrscheinlich alle verbrannt, Chanet“. Es wird übermittelt nach den Niederlanden.

Weil zehn Hülsen gefunden werden, geht man davon aus, dass alle neun Opfer mit Revolverschüssen getötet und danach verbrannt worden sind.

Die offizielle Untersuchung.

Am 15. November geht Mgr. de Vienne mit dem japanischen Priester Taguchi und dem japanischen Stabsmajor Yokoyama mit einem Fotografen nach Zhending. Auf der Grundlage der Informationen ist Yokoyama davon überzeugt, dass die japanische Armee an der Sache beteiligt ist.

Am Montag, dem 22. November, wird um 10.00 Uhr morgens in der Kathedrale auf Wunsch des Kommandanten Yokoyama. ein feierlicher Trauergottesdienst abgehalten. Der evangelische Pfarrer. Spica hört dabei einen japanischen Offizier sagen: „Es gibt kommunistische Elemente in der japanischen Armee, die vermutlich für dieses Verbrechen, das allen Regeln entgegentritt, verantwortlich sind“.

Diplomatische Verhandlung.

Von den Französischen und Niederländischen Botschaften aus wird kräftig gegen die Behauptung, dass Chinesen das Verbrechen verübt haben wie die japanische Armee am 7. November berichtet hat, protestiert. Man wusste besser durch die Untersuchung von Bischof de Vienne und Stabsmajor Yokoyama. Auch in Beijing wird ein Trauergottesdienst in der Botschaftskirche abgehalten. Die japanische Armee wird ein Denkmal zur Erinnerung an die Opfer vom 9. Oktober mit darauf dem Text : „Animas suas posuerunt pro ovibus suis“, (”Sie gaben ihr Leben für ihre Schafe“) errichten.

Warum sind Mgr. Schraven und Genossen ermordet worden?

Jahrelang ist man über das Motiv des Mordes unsicher gewesen. Die Hauptrollspieler in diesem abscheulichen Drama sind ja alle ums Leben gebracht und können es nicht nacherzählen. In den letzten Jahren fielen immer mehr Puzzleteile an ihren Platz und jetzt ist das Motiv klar geworden. Das Folgende ist zusammengebracht:

Das japanische Bedürfnis an Mädchen und Frauen.

Am 5. Oktober beschwert sich der Missionar Chanet in seinem Wohnort Tinchow (30 km über Zhending) bei dem Kommandanten der japanischen Armee. Eine Gruppe von 5 Soldaten kommt und fragt einen Katechisten nach vier Frauen und haben ihn mit ihren Gewehren bedroht, wenn er ihren Antrag nicht bewilligen würde.

Pater Emmanuel Robial,
Pater Trappist aus Frankreich,
Mitmärtyrer.

Auch der Prior des Trappistenklosters bei Zhending schreibt, dass japanische Soldaten nach Geld, Frauen … fragen. In seinem Bericht über die Entführung von Mgr. Schraven und seinen Genossen erwähnt Chanel wie Soldaten fragen, wo sich die Frauen der Europäer befinden.

Auch Missionar Aubé erwähnt dem Kollegen Chanet das Motiv  „Frauen“ in seinem Brief von vor dem 10. Dezember, um zu zeigen, dass die Frage nach Frauen eine kennzeichnende japanische Handelweise ist.“ Am jenen Abend hätten sie gefragt zu den Schwestern zu gehen, „ihre Frauen“, sagen sie. War das um das Plündern? Oder um Frauen zu suchen? Vielleicht beides und so machen sie es eben.“

Die Frage nach Frauen an Mgr. Schraven.

Am 1. Dezember 1937 erklärt der evangelische Pfarrer R.E. Hill der schwedischen Mission in Zhending in der Niederländischen Botschaft in Peking, dass der Herr Li Chai, einer der Sachwalter der katholischen Mission, ihm und dem evangelischen Pfarrer Spira kurz nach dem 9. Oktober erzählte, dass japanische Soldaten auf der Mission nach jungen Frauen fragten. Einer der ausländischen Missionare hatte darauf geantwortet: „Du kannst nehmen was du willst, aber wir werden nie Mädchen ausliefern“. Darauf sind die Soldaten weggegangen.

Dieses Motiv kommt zurück in den Worten des chinesischen Dolmetschers, der am 9. Oktober 1937 in Zhending bei den japanischen Truppen war. Er erklärt gegenüber dem Missionar Olivers: „Der japanische Kommandant mit einigen Soldaten sind zur Residenz gekommen, um Mädchen und junge Frauen zu holen. Lange haben sie mit Mgr. Schraven gesprochen, um ihre Forderung bewilligt zu bekommen. Mgr. blieb rigoros verweigern. Nach einem unserer Brüder soll er gesagt haben: „Sie können mich töten, wenn sie das wollen, aber ihnen das geben, wonach sie fragen nie. Darauf hat der Kommandant gedroht und ist wütend weggegangen.“

In einer Erklärung der niederländischen Pater Franziskaner von Luan (Shanxi), wo japanische Soldaten auch kommen und nach Mädchen fragen, um sich zu vergnügen, bekommen sie zu hören: „Vergiss nicht was in Zhending auf der katholischen Mission geschah“.

Pater Dennis van Leeuw des Nachbartrappistenklosters schreibt: „Die Japaner nehmen die Stadt in Besitz. Ihre erste Sorge ist sich große Mühe dafür zu geben, dessen gewiss zu sein, dass kein einziger feindlicher Soldat zurückgeblieben ist. Sie suchen auch etwas anders; sie brauchen Frauen“.

In einem Brief des österreichischen Bruders Friederich vom Dezember 1938 erzählt er: „Vergangenen Sommer kamen japanische Soldaten, die gut Chinesisch sprachen und fragten beim Anblick der Abbildungen (gemeint wird sein das errichtete Denkmal) der Märtyrer: „Warum hat man sie verbrannt, wir wissen nichts. Hätte man uns die gewünschte Anzahl von 200 Mädchen zum Genuß gegeben, so wären sie nicht verbrannt“. Aufs neue die Anzahl von 200 und eine Bestätigung des Motivs.

Jüngste Zeugnisse.

Pater Joseph Chow Chih-yi, „Augenzeuge der Gefangennahme“, erklärt am 17. Mai 1997:

 

„Tausende von Frauen waren in jenen Tagen auf der Mission anwesend. Die Vorsehung Gottes hat sie gespart, denn die Japaner konnten nicht die Gelände der Sankt Joseph Schwestern und Töchter der Liebe betreten, als sie das wollten. Man darf annehmen, dass die Soldaten darüber wütend waren und darauf den Mgr. Schraven und seine Genossen gefangen nahmen und töteten. In der Stadt Zhending selbst wurden, wie man sagt, überall Frauen vergewaltigt. Viele wurden danach wie ein Tier ermordet“.
Priester Joseph Wang, im Jahre 1937 als Fünfzehnjährige in der Residenz anwesend, schreibt am 23. September 1997, dass man nicht allzu viel über die Motive wisse. „Man sagt, dass die Missionare die japanischen Soldaten nicht ins Gelände der Schwestern hineingehen ließen, um dort den Frauen zudringlich zu werden“.

Im Jahre 2005 erschien in China eine Broschüre anläßlich des 25. Gedenktages der Bischofsweihe von Mgr. Julius Jia und des 150-jährigen Bestehensfestes des Bistums Zhending unter dem Titel: „Die Leidensgeschichte und das Martyrium von Mgr. Schraven“.

Darin liest man, dass ausländische Missionare die Eindringlinge zurückhielten, um in den Kirchen abscheuliche Taten zu begehen und das irritierte die japanischen Soldaten. Weiter im kleinen Buch kommt Herr Ming-Sho-Chao (93 Jahre alt) zu Wort. Er erzählt, wie er als Schüler in einem Priesterseminar Missionar Ramakers (Echt) nach Chengtingfu begleitete am dritten Tag nach der Entführung. „Früher am Tag, forderten die Eindringlinge den Bischof ihnen 200 junge Mädchen zu geben, um die Lust der Soldaten zu befriedigen und der Bischof sagte kategorisch nein. Die japanische Armee war folglich irritiert und beging dieses  schreckliche Verbrechen“.

Warum ihre Wahl für solch einen Standpunkt?

Wenn japanische Soldaten vom Missionar Chanet Mädchen fordern, begründet er seinen Standpunkt wie folgt: „Sie wissen, Herr Kommandant, dass ein wahrer Christ den Tod einer  solchen Entehrung und kein einziger meiner Katechisten, selbst wenn er es mit dem Leben bezahlen muss, wird je etwas Derartigem zustimmen“. Das Gleiche kann Mgr. Schraven dem japanischen Kommandanten, der Mädchen forderte, gesagt haben.

Wie wurden sie ermordet?

Auch über die Art und Weise, wie der Mord stattgefunden hat, ist man ungewiss. Es stellt sich heraus, dass einige Bettler in der Nähe gewesen sind, die es gesehen haben. Aber ob es richtig ist? Der Pater Trappist Struyven schreibt Folgendes als Augenzeugenbericht:

„Sie wurden auf einen Lastkraftwagen geladen und in einer Entfernung von 300 Metern von der Residenz mit Faustschlägen ermordet. Der arme Orgelbauer (Biscopitch) wird vom Pfarrer der Kathedrale (Ceska?) und einem Pater Trappisten (Robial?) unterstützt. Sie werden zusammen verbrannt. Man fand beim Scheiterhaufen die Kopfbedeckung des Pfarrers, der ganz mit Blut bedeckt war, zurück. Auf dem Scheiterhaufen wurden auch noch der Rosenkranz des Paters Robial und die Knöpfe der Hose des Orgelbauers gefunden.

Monseigneur blieb am längsten am Leben. Er war noch nicht tot, als er auf den Scheiterhaufen geworfen wurde. Er seufzte mit lauter Stimme: „Mein Gott, mein Gott“; Die Heiden, die dem Schauspiel beiwohnten, verstanden: „Mong Tié“, was sagen will ”groß?“.

Mehrere Male begossen sie ihn mit Petroleum, aber das Feuer fing schwierig Feuer. Monseigneur erlitt viel; Am Ende warf man Benzin auf den Scheiterhaufen, eine große Flamme schoss empor. Langsam verklang das Wimmern … Nur ein Stück Bein ist von ihm übrig geblieben. Weiterhin fand man den Zwicker zurück: Das Glas war geschmolzen, nur die Fassung blieb übrig.

(…) Ein Trost ist, dass kein einziger weiblicher Religioser oder weiblicher Flüchtling vergewaltigt wurde ………. Das Ereignis hat in der ganzen Gegend einen großen Eindruck gemacht. Sogar der japanische Kommandant sagte, dass sie als Märtyrer der christlichen Liebe gestorben seien.

Die französische Schwester Poulieu, die dem Mord entkam, schreibt: „Am Fuß einer Pagode… dort soll man sie getötet haben, einen nach dem anderen, entweder mit einem Messer ins Herz oder mit Gewehrschüssen oder auf eine andere Art oder Weise. Man wird sie auf einen Baumstrunk einige Meter weiter geschleppt haben ( man sah die Erde mit Blut durchtränkt) und auf diesem Baumstrunk soll man mit Fenstern und Türen, die man von den umliegenden Häusern weggeholt hatte, Feuer angezündet haben. Man hat sie mit Petroleum begossen und verbrannt“.

Der chinesische Dolmetscher sagt zum Missionar Olivers: „Man fing mit dem Foltern des Jüngsten an (wahrscheinlich Bertrand, man hat ein Stückchen ausgerissenen bebluteten Bart von ihm gefunden). Dagegen haben andere Missionare protestiert. Sofort wurden drei mit Revolvern erschossen. Man weiß nicht wer die drei sein könnten, denn der Chinese kannte sie nicht“.

Es bleiben viele offene Fragen, wie diese: Welche Bedeutung sollen wir der Tatsache beimessen, dass bei der Entführung Servietten benutzt wurden, um die Hände zu fesseln. Auf dem Scheiterhaufen wird Draht gefunden, mit dem sie gefesselt gewesen waren. Könnte das darauf hinweisen, dass sie verbrannt wurden, während sie noch am Leben waren?

Zum Schluß

Mgr. Schraven und Genossen starben als Missionare, die weiterhin treu ihre Pflicht taten und die Verteidigung von Frauen gegen Sexualmissbrauch durch japanische Soldaten auf sich nahmen. Und sie traten für Tausende von Flüchtlingen ein.

Diese Abbildung ist Stickarbeit, von Weisenkindern
in Chengtingfu gemacht, und befindet sich im
Museum der Lazaristen / Vinzentiner im
Mutterhaus in Paris.

Auf Kosten der japanischen Armee wurde im Jahre 1938 das versprochene Denkmal aus weißem und schwarzem Marmor errichtet. Ein Denkmal, das da noch immer steht. Es ist zwei Meter hoch. Auf der weißmarmornen Gedenktafel wurde graviert: In Memoriam Victimarum Diei 9 Octobris 1937. Wonach die Namen der neun Opfer folgen. [Seit einigen Jahren steht es wieder vor der früheren Kathedrale in Zhending. Das ganze frühere Missionsgelände ist seit den fünfziger Jahren Militärgelände.

Rechts stehen die Namen:

Mgr. Frans Schraven Lazarist aus Lottum (Niederlande), 64 Jahre alt

Lucien Charny Lazarist aus Melun (Frankreich), 54 Jahre alt

Thomas Ceska, Brodovak (Kroatien), aufgewachsen in Österreich, 65 Jahre alt

Eugène Bertrand Lazarist aus Aurillac (Frankreich), 32 Jahre alt

Gerrit Wouters Lazarist aus Breda, (Niederlande), 28 Jahre alt

Emmanuel Robial, Trappist. Aus Mont-aux-Malades bei Rouen (Frankreich), 52 Jahre alt

Links die Namen:

Bruder Antoon Geerts Lazarist aus Oudenbosch, (Niederlande) 62 Jahre alt

Bruder Wladislaw Prinz Lazarist aus Szlachetne Lipinki (Polen), 28 Jahre alt

Herr Anton Biszkupitz, Orgelrestaurator aus Pressburg, dem heutigen Bratislava (Slowakei), 51 Jahre alt

Die sterblichen Überreste der Opfer werden auf dem Friedhof des Paitangs begraben; das dort errichtete Denkmal ist verschwunden.

Wiel Bellemakers CM
Vincent Hermans

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